• Kategorie: ESD
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ESD-Experte im Interview: Safety first!

Die ESD Akademie und die ESD Protect GmbH stehen bereits seit Jahren für Kompetenz im Bereich ESD. Während die ESD-Akademie Personal zu Fachkräften, Koordinatoren und Auditoren in Sachen ESD ausbildet, entwickelt und vertreibt die CE-CE Technik & ESD Protect GmbH das gesamte Portfolio an ESD-Produkten. Sonderanfertigungen, Projekte und Speziallösungen stehen dabei im Vordergrund.

 

Ralf Eickhorn:
Das Thema ESD- oder ESD-Schutz hört man immer häufiger in verschiedenen Produktionsbereichen. Was versteht man genau darunter?

Marcel Böhm:
ESD bedeutet “Electronic Static Discharge”, also elektrostatische Entladung. Durch Reibung oder Influenz entstehen elektrostatische Ladungen. Wird die Potentialdifferenz zu groß, entlädt sich die Spannung schlagartig. Oftmals spüren wir diese Entladungen gar nicht. Dennoch können dabei Bauteile zerstört werden oder so vorbeschädigt werden, dass sie nach einiger Zeit unbrauchbar werden.

Ralf Eickhorn:
Diesen Effekt kenne ich gut! Er ist z. B. dann spürbar,  wenn ich über einen Teppich laufe und danach die Türklinke anfasse, richtig?

Marcel Böhm:
Ja genau, das ist solch ein Beispiel für eine elektrostatische Entladung. Für den Menschen ist diese Entladung erst ab circa 3000 Volt spürbar. Bauteile können jedoch schon bei einer Aufladung von 100 Volt geschädigt werden, ohne dass es eine Person überhaupt wahrnimmt.

Ralf Eickhorn:
Also kann man sagen, es ist eine unsichtbare Gefahr?

Marcel Böhm:
Genauso ist es. ESD ist nicht wahrnehmbar. Man kann es allein durch präventive Maßnahmen vermeiden, indem man eine ESD-sichere Arbeitszone, eine sogenannte EPA (ESD Protected Area) einrichtet. Dort können keine Aufladungen entstehen.

Ralf Eickhorn:
Warum sollte man in Produktionen, die Elektronikmodul verbauen, besonders genau darauf achten?

Marcel Böhm:
Elektronik wird in immer mehr Komponenten eingebaut, z. B. in unsere PKWs. Neben den klassischen elektronischen Geräten im Automobil werden immer mehr Zulieferer mit Elektronikbaugruppen konfrontiert. Belüftete Nackenstützen, steuerbare Anhängerkupplungen sowie  Sicherheitssysteme wie Gurtstraffer oder Airbags sind lebenswichtig und dürfen nicht ausfallen. Die Elektronik im Auto wird immer mehr, gleichzeitig wird diese Elektronik aber auch immer kleiner und damit sensibler. Ein richtiger ESD-Schutz ist daher von enormer Bedeutung.

Ralf Eickorn:
Welche Folgen würden sich aus einer Vernachlässigung des ESD-Schutzes ergeben, wenn man keine Zeit und kein Geld investiert?

Marcel Böhm:
Das Heimtückische an ESD-Schäden ist, dass sie oft nicht direkt in der Prüfung entdeckt werden können, da es sich um eine Vorschädigung handelt. Deshalb übersetzten wir ESD auch als „Erst-Später-Defekt“. Diese Bauteile fallen dann nach einer Woche, einem Monat oder sogar erst nach einem Jahr aus, sodass diese Teile dann zu Reklamationen führen. Ein Nichtbeachten des ESD-Schutzes führt also immer zu Ausfällen. Und daraus entstehen hohe Kosten – sofort oder erst später.

Ralf Eickhorn:
Also sollte man in der Fertigung, insbesondere im Elektronikbereich, auf guten ESD-Schutz achten?

Marcel Böhm:
Ja, hier ist Schutz vor ESD besonders wichtig. Aber Bauteile müssen auch getestet, transportiert und gelagert werden. Überall in dieser Kette können Bauteile elektrostatisch aufgeladen werden, also muss das Produkt auch in der gesamten Kette vor ESD geschützt werden. Das beginnt beim Transport vom Lieferanten ins Werk, geht über den innerbetrieblichen Transport, den Ort, an dem das Teil verarbeitet oder es verbaut wird und hört beim Warenausgang auf. Überall wo die Elektronik offen und nicht geschützt ist, bedarf es einer ESD-gerechten und ESD-sicheren Handhabung.

Ralf Eickhorn:
Wie sieht so ein funktionierender Schutz vor ESD aus? Kann jeder Projektierer und jeder Werker eines Betriebes seine Produkte vor der geschilderten unsichtbaren Gefahr effektiv schützen?

Marcel Böhm:
Wenn man einen effektiven ESD-Schutz aufbaut, gibt es einige Dinge zu beachten. Grundlage dieses Schutzes ist eine einheitliche Norm, die DIN 61340. Richtiger ESD-Schutz ist individuell auf die Gegebenheiten in jedem Betrieb abzustimmen. Wichtig hierbei ist uns der Grundsatz „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“. Denn das Handling von ESD ist mit einem innerbetrieblichen Organisationsaufwand verbunden. Als Vollsortiment-Anbieter haben wir daher alle Produkte im Programm, die zu einem ESD-Schutz beitragen: von Messsystemen bis zur ESD-Kleidung, vom Boden bis zum Ionisator.

Ralf Eickhorn:
Und wie sieht es mit den Mitarbeitern aus? Benötigen diese eine spezielle Ausbildung, um in diesen Bereichen arbeiten zu dürfen?

Marcel Böhm:
Grundsätzlich sollte jeder Mitarbeiter in der Elektronik-Produktion Kenntnisse im Bereich ESD haben. Sehr wichtig ist ein Ansprechpartner innerhalb des Unternehmens, ein sogenannter ESD-Koordinator. Als verantwortlicher Mitarbeiter für ESD-Schutz ist er zuständig für die Einhaltung der Richtlinien, kontrolliert die Schutzzonen sowie das Handling und sollte jedem Mitarbeiter ein Verständnis für die Problematik vermitteln. Er wird dazu ausgebildet, ein ESD-Schutzprogramm aufzustellen und in seinem Betrieb umzusetzen. Damit dieses Know-how möglichst flächendeckend in allen Unternehmen bekannt ist, bilden wir an unserer ESD-Akademie regelmäßig Interessierte zum ESD-Koordinator aus. Fragen zu dieser Ausbildung oder zu unserem gesamten Schulungsprogramm beantworten wir gerne per E-Mail oder auch telefonisch.


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