vergrößern

ESD-Schutz-Management: Entscheidende Risiken für Entladungen

Für elektrische Entladungen (ESD) gibt es zahlreiche begünstigende Faktoren, die unbedingt bekannt sein sollten.

Nachdem wir im ersten Teil unserer ESD-Reihe auf Grundlegendes eingegangen sind, widmen wir uns nun den einzelnen Risikofaktoren. Dabei reicht das Spektrum von Mitarbeitern mit fehlender ESD-Schutzkleidung über die Miniaturisierung bis zum Zusammenspiel aller Prozesse. Wie so oft muss der Blick sowohl für das Detail als auch das große Ganze geschärft sein.

Interessante Downloads


Kleidung, Einrichtung und Verhalten als ESD-Risiken

Es mag fast zu selbstverständlich klingen – doch der Mensch stellt in Bezug auf ESD eines der größten Risiken dar. Wenn Mitarbeiter ohne ESD-Schutzkleidung (etwa entsprechende Schuhe oder ESD-Kittel) und Schulung elektronische Bauteile handhaben, ist eine elektrische Entladung oft nicht weit. Gewöhnliche Kleidung sowie Haut und Haare sind sehr anfällig für hohe Ladungen. Diese Träger nehmen solche Ladungen sehr leicht auf und halten sie. 

 

Oft wird auch die Tatsache übersehen, dass gerade die Kombination von Faktoren entscheidende Bedeutung hat. Nehmen wir an, ein Mitarbeiter trägt synthetische Kleidung. Wenn zusätzlich an seinem Arbeitsplatz ein Teppich liegt und er auf einem gewöhnlichen Bürostuhl sitzt, erhöht sich die Spannung. Gerät er dann in unmittelbaren Kontakt mit einem entsprechenden Bauteil, so kommt es unweigerlich zu einer elektrostatischen Entladung. All dies wohlgemerkt, ohne dass es der Mitarbeiter bemerkt.

Miniaturisierung aus Sicht des ESD-Schutz-Managements

Der Fortschritt der Miniaturisierung wird gewöhnlich als wichtiger Gradmesser der technischen Entwicklung betrachtet. Damit ist die kontinuierliche Verkleinerung elektrischer Bauteile gemeint. Dies geht mit einer Verringerung der Abstände zwischen den einzelnen Strukturen einher. Sie betragen im Moment schon weniger als 14 Nanometer.

Dieser Prozess bringt jedoch auch ein großes Risiko mit sich: Gleichzeitig mit dieser Abstandsverringerung kommt es zu einer höheren Wahrscheinlichkeit für elektrostatische Entladungen. Dies führt häufig zu einer elektrischen Überbelastung (EOS). Unmittelbare Ausfälle oder – noch ärgerlicher – unbemerkte Vorschädigungen schließen sich oft daran an.

Mögliche Folgen von ESD

Entscheidend ist vor allem die Berücksichtigung der gesamten Prozesskette. Nicht nur der Mensch und sein direktes Verhalten am Arbeitsplatz erhöhen das Risiko von ESD. Wenn eine ausreichende Verpackung fehlt, so kann es schon während der Lieferung oder Lagerung zu Schäden kommen. Bei allen Arbeitsschritten, gerade bei solchen, die der Qualitätssicherung dienen, muss äußerst behutsam vorgegangen werden. Eine ESD-Schulung für Mitarbeiter steht ganz oben auf der Prioritätsliste.

Der Preis für Versäumnisse fällt nämlich hoch aus. Zunächst einmal betrifft dies die Kosten für Ausschuss und Reparatur sowie den Aufwand für Reparationen und Garantieerfüllung. Ferner leidet bei einer Häufung von ESD-Schäden das Unternehmensimage deutlich. Wenn es hart auf hart kommt und Ausfälle in entscheidenden Bereichen vorfallen, sind auch Produkthaftungsschäden denkbar. Ganz generell gilt: Gründliches, präventives ESD-Schutzmanagement ist oft weniger aufwendig als spätes Nachbessern.